Es passiert nicht alle Tage, dass man als Zivilist die Möglichkeit hat, einen Bundeswehr-Standort zu besichtigen. Daher war es für die 59 Zehntklässler der Christian-von-Bomhard-Schule schon ein besonderes Ereignis, eine Kaserne von innen zu sehen. Nach der Begrüßung durch den zuständigen Jugendoffizier Daniel Burmeister folgte ein zweistündiger abwechslungsreicher Vortrag über die Geschichte der Bundeswehr. Sehr aufmerksam verfolgten sowohl die Jugendlichen als auch ihre beiden Sozialkundelehrer Winfried Hoefer und Ralf Lischka die Ausführungen des Zeitsoldaten, der immer wieder die vielen intelligenten Fragen der Zuhörer fachmännisch beantwortete. Etliche im Geschichts- und Sozialkundeunterricht der Abschlussklasse bearbeiteten Themen wurden perfekt hier wiederholt, ergänzt und vertieft.
Burmeister erklärte, dass die Einbettung der deutschen Sicherheitspolitik innerhalb der EU, der NATO, der UNO und der OSZE erfolgt. Er berichtete über die sich verändernde Weltpolitik, die seit dem 11. September 2001 mit dem Anschlag auf das World Trade Center stattfand. Nachdem sich das Terrornetzwerk Al-Quaida zu dem Verbrechen bekannt hatte, wurde ein Ultimatum gestellt, welches jedoch verstrich, so dass die NATO nach Artikel 5 den Bündnisfall ausrief. Somit war auch die Bundesrepublik betroffen. Es folgte ein Einm(#edited#) in Afghanistan. Auf einer Karte konnten die Schülerinnen und Schüler gut nachvollziehen, wie die aktuelle Lage dort ist, welche Volksgruppen wo liegen oder welches Problem der Mohnanbau dort darstellt. Es wurde ein umfassendes Bild über die aktuelle Lage vor Ort gezeichnet. Die Rolle der Bundeswehr hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert: Die Verteidigungsarmee aus der Zeit des „Kalten Krieges“ ist passé, Auslandseinsätze im Rahmen der internationalen Staatengemeinschaft (beispielsweise Blauhelmmissionen im Libanon oder im Sudan) stehen im Vordergrund.
Doch nicht nur Zeitgeschichte wurde erörtert, auch die Bundeswehr als Arbeitgeber kam ins Gespräch. Seit 2001 können beispielsweise Frauen zur Bundeswehr gehen; ihr Anteil liegt momentan bei 8 Prozent; eine Verdopplung ist geplant und Aufstiegsmöglichkeiten gibt es hierbei nicht nur im medizinischen Bereich, sondern durchaus beispielsweise im Bereich der Pilotenausbildung. Hier interessierten sich vor allem die Jungs und konnten viele Details über die ca. 8 Jahre dauernde Ausbildung erfahren. Natürlich gab es ebenso zahlreiche Fragen zum Verdienst, zu Auslandseinsätzen oder zu Aufstiegschancen. Ehrlicherweise wurden aber auch Nachteile des Jobs, beispielsweise der häufige Standortwechsel, nicht verschwiegen.
Nach dem Mittagessen ging es Richtung Flugfeld. Um 7.30 Uhr startet dort normalerweise für die Piloten der Tag mit einer Sitzung, bei der der Flug- und Wetterberater eine zentrale Rolle spielen. Anhand von verschiedenen Karten wird die Route durchgegangen – die Hubschrauberpiloten fliegen überraschenderweise mit einer Karte auf den Knien nach Sicht! Anschließend wird der Hubschrauber etwa eine Stunde lang bereit gemacht, bevor es in die Luft geht. Im Tower wird dann die Erlaubnis zum Start erteilt und die Übungsflüge beginnen. Nach der Rückkehr muss ca. 30 Minuten an der Maschine nach gearbeitet werden. Die andere Hälfte des Tages verbringen die Piloten mit dem Studieren und Wiederholen der Vorschriften oder der Bedienungshinweise und technischen Einzelheiten der Hubschrauber, die extrem kompliziert und vielschichtig sind.
Nachdem die Bomhard-Schüler den Flugbetrieb theoretisch kennen gelernt hatten, folgte ein Höhepunkt des Kasernenbesuchs: die Besichtigung des „BO 105“, eines relativ alten, aber sehr robusten Hubschraubers. (siehe Foto). In Kürze wird dieses Fluggerät durch den 18 Millionen teuren „Tiger“ abgelöst. Das Kampfhubschrauberregiment 26 in Roth besitzt etliche dieser Maschinen. Aufmerksam verfolgten die Jugendlichen die technischen Details. So wiegt der 26 Jahre alte Hubschrauber 2,5 Tonnen und hat 2 Triebwerke, sodass im Notfall ein Ersatz da ist. Doch selbst wenn beide ausfallen, kann der Pilot sicher landen, da beim schnellen Absinken die 10 Meter langen Rotorblätter durch die nach oben schießende Luft weiter gedreht werden. Diese Notsituation wird von den Soldaten häufig geübt. Das erklärte auch den verdutzen Schülern, warum sich in den Maschinen kein Fallschirm bzw. Schleudersitz befindet.
Versorgt mit interessanten Einblicken in den Werdegang eines Berufssoldaten, in den Tagesablauf von Wehrpflichtigen – mit denen Gespräche geführt werden konnten - und mit ganz aktuellen Informationen zur Weltpolitik konnten die C.-v.-B.-Schüler die Heimreise antreten. Auch ihre Sozialkundelehrer zeigten sich von dem Tag beeindruckt, wurden doch zahlreiche für Jugendliche wichtige Erkenntnisse im Bereich „Zeitgeschichte“ oder „Berufsfindung“ verständlich an die Schüler herangebracht!
Text u. Bild: Ralf Lischka

1.Lehrerkonferenz
Uranus-Jupiter-Treffen
Neuester:
Heute neu: 1
Gestern neu: 1
Gesamt: 491
Benutzer: 2
Besucher: 4
Gesamt: 6

